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German/Allemand
Fraenkischer Tag
Germany Date: 15-11-1999
Barbara KURZ VIELFALT,
GROOVE und PERFEKTION
(Der Niederlaender Ron Baggerman im Bamberger Jazzclub) Hoerte man nun
E-Gitarre, E-Bass, Klavier oder sogar Cymbalo?
Ganz klar war das bei Ron Baggermans Auftritt im Bamberger Jazz-Club nicht.
Was aber auch egal war, denn eines wurde ganz deutlich: dass man einem
Musiker zuhoerte, der den Titel Meister mit der Behersschung aller zwoelf
Saiten und auch der vielen Seiten seines Instruments wirklich verdiente.
Was spielte er nun mit allen zehn Fingern gleichzeitig? In der Literatur
wird der Chapman Stick, den der Hollaender Baggerman so virtuos bedient,
als eine Art Gitarre bezeichnet - was aber, siehe oben, laengst nicht
die Klangvielfalt, die der ca. ein Meter lange "Stock" von sich geben
kann, die simultanen Akkorde, Soli und Basslaeufe, in Worte fasst. Erfunden
wurde er Anfang der Siebziger von Emmett Chapman in den USA, und weltweit
gibt es 5000 von diesem revolutonaeren Instrument Mit einem von ihnen
riss Ron Baggerman die zuhoerer zu Bravo-Rufen hin.
Weil er, genau wie sein Instrument, Vielfal bot. Weil er mit kuehler Praezision
Tonketten zum Leuchten brachte, weil er aber auch mit expressiver Emotionalitaet
in Harmonien schwelgte, und weil er beides immer ganz ohne bemuehte Verkrampftheit,
ja nicht einmal mit sichbarer Anstrengung auf die Kellerbuehne brachte.
Verschmitzt und aeusserst lebendig die Kombination von Klaengen und Srtukturen.
Die die Grenzen dessen, was Puristen als Jazz bezeichnen moegen, ueberschritten,
ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren. Was blieb dem Publikum, als seine
Virtuosenfinesse zu bestaunen, seinen Ohren ein ums andere Mal nicht zu
trauen und sich ueber musikalische Exzellenz zu freuen. Die unterstrichen,
nuanciert und mitgetragen wurde vom Perkussionisten RAINER BERTNER, der
ein kongenialer und ebenso vielseitiger (von Tempelgloekchen ueber congas
zu Klangscheiben) Begleiter durch den Abend war. Der war vor allem von
eingaengiger, niemals schlichter Melodik gepraecht.
In den Stuecken, die Baggerman aus seiner CD "Galaxy Gypsy", mit teils
in rockigem Groove angehauchtem Mix aus Jazz und Latino-Klaengen, spielte,
ebenso wie in den Interpretationen von "Klassikern" wie Joe Zawinuls "Mercy,Mercy,Mercy"(das
er froehlich bewegt, mit ueberraschender Rhythmik gab). Oder Gershwins
"Summertime" - eines der Stuecke des Abends, bei dem sich Baggerman mit
einigem Erfolg auch als Saenger versuchte. Wobei man sich bei seinen Scat-Einlagen
aber fragte, wer da eigentlich sang, der Mensch oder der Stick - so locker
und doch perfekt waren Stimme und Saitenklang. Ein vokaler Chapman Stick.
Ron Baggerman im Jazz-Club: Das war ein Hoererlebnis nicht nur wegen seines
ungewoehnlichen Instruments. Das war schwerelos fliessendes Musizeren,
das war perfekte Klangvielfalt und beste Unterhaltung auf Grosstadtniveau!
Barbara KURZ
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